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Suchtprävention und -hilfe

Darstellung von Suchtmitteln: Aschenbecher mit Zigaretten, Alkohol, Tabletten, Drogenparaphernalia mit Spritzen und weißem Pulver auf Holztisch.
© iStock | monticelllo

Suchtprävention umfasst suchtspezifische Angebote und Maßnahmen zur Verhinderung von substanz-(un-)gebunden Suchtstörungen und substanzinduzierten Gesundheitsbeeinträchtigungen sowie Maßnahmen zur Förderung der Lebens- und Risikokompetenz. Sie bezieht sich dabei auf Zielgruppen über die gesamte Lebensspanne hinweg.

Um – insbesondere Kinder und Jugendliche – vor dem Risiko einer Suchterkrankung wirksam zu schützen, bedarf es der Vermittlung und Förderung von Lebens- und Risikokompetenzen.

Angemessene Lebenskompetenzen sollen konkret dazu befähigen, die altersspezifischen Entwicklungsaufgaben zu meistern, sich ein gesundes soziales Umfeld aufzubauen, Stress, emotionale Belastungen und Konflikte zu bewältigen, persönliche Krisen zu bewältigen, Verluste und Frustrationen auszuhalten und ein stabiles Selbstwertgefühl sowie eine optimistische Lebenseinstellung aufzubauen.

Risikokompetenz in der Suchtprävention beschreibt die Fähigkeit zur reflektierten und selbstkritischen Wahrnehmung des eigenen Konsumverhaltens im Hinblick auf dessen gesundheitliche und soziale Risiken und Schäden (Gefahrenbewusstsein) sowie im Hinblick auf einen risikobewussten und kontrollierten Umgang mit psychotropen Substanzen und substanzungebundenen Verhaltensweisen (Fähigkeit zur Selbststeuerung). Davon umfasst sind u. a. das Problembewusstsein über Wirkungen und Risiken des Konsums psychotroper Substanzen, eine kritische Einstellung gegenüber Suchtmitteln und Verhaltenssüchten, die Bereitschaft und Fähigkeit zum konsequenten Konsumverzicht in bestimmten Situationen (Punktnüchternheit), Lebensräumen und Entwicklungsphasen bzw. die Bereitschaft und Fähigkeit zu einem stabil kontrollierten Konsum und zur Einhaltung festgelegter Sicherheitsregeln.

Die Förderung von Lebens- und Risikokompetenz sollte möglichst frühzeitig im Kindes- und Jugendalter erfolgen. Zur Gewährleistung der Stabilität und Nachhaltigkeit der Präventionseffekte werden suchtpräventive Maßnahmen der Lebens- und Risikokompetenzvermittlung langfristig und kontinuierlich umgesetzt und in die Lebenswelt und den Lebensalltag der Zielgruppe eingebettet (zum Beispiel im schulischen Kontext).

Informationen und Angebote bieten auch die Gesundheits- und Jugendämter der Landkreise und kreisfreien Städte, teilweise in Zusammenarbeit mit freien Trägern.

Neben Angeboten zur Förderung der Lebenskompetenz gibt es substanzbezogene sowie substanzungebundene Angebote der Suchtprävention. Auf der Webseite der Fach- und Koordinierungsstelle Suchtprävention Sachsen, Bereich suchtmittelspezifische Suchtprävention, stehen zahlreiche Informationen zu diversen Projekten zur Verfügung.

Präventionsprojekt GLÜCK SUCHT DICH

Bunter Bus mit rosa-gelbem Farbverlauf, Aufschrift Glück sucht Dich und Eine mobile Ausstellung zur Suchtprävention auf weißem Hintergrund.
© GLÜCK SUCHT DICH

Zur Unterstützung der Landkreise und Kreisfreien Städte bei Ihrer Präventionsarbeit hat das Sächsische Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt das mobile Präventionsprojekt GLÜCK SUCHT DICH beauftragt, welches durch die Fach- und Koordinierungsstelle Suchtprävention Sachsen entwickelt wurde. Es verbindet die Elemente der Lebenskompetenzförderung mit suchtmittelspezifischen Aspekten.

Das als zweistöckiger Bus entwickelte Projekt beinhaltet eine interaktive Ausstellung mit acht Stationen. In jeweils vier Stationen zu den Themen »GLÜCK« und »SUCHT« werden Kinder und Jugendliche  zur Identitätsbildung, zur Positiven Psychologie, zu wertschätzender Kommunikation, zur Sensibilisierung von Gefährdungspotentialen, der Stärkung von Nichtkonsumenten und der Reflexion von Konsumverhalten informiert. Zielgruppe sind insbesondere Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 11 und 18 Jahren (ab Klasse 5) im schulischen und außerschulischen Kontext.. Mit dem Angebot wird Kindern, Jugendlichen und deren Bezugspersonen, wie Eltern, Lehrkräften, Schulsozialarbeitern und Mitarbeitern in Jugendhilfeeinrichtungen  Suchtprävention auf moderne Art vermittelt. Der regionale Einsatz ist mit Einführungs-, Fortbildungs- und Beratungsveranstaltungen für pädagogische Fachkräfte sowie regionale Fachkräfte der Suchtprävention verbunden und bietet die Möglichkeit, sie in ihrer Funktion als Multiplikatoren zu stärken.

Das Angebot beinhaltet verschiedene inhaltliche Module und interaktive Methoden, so dass ein altersgerechter und am regionalen Bedarf orientierter Einsatz möglich ist. Besonders wichtig ist, dass auch bereits bestehende regionale Aktivitäten mit eingebunden werden können. Für das Projekt bietet der Freistaat Sachsen eine Förderung personeller Ressourcen und von Sachkosten für die Landkreise und Kreisfreien Städte an. So soll die Präventionsarbeit vor Ort bei der inhaltlichen und organisatorischen Abstimmung zum Einsatz des Präventionsmobils unterstützt werden.

Projekt HaLT – Hart am Limit

Im Bereich der selektiven Prävention steht das Projekt HaLT – Hart am LimiT zur Verfügung. Das bundesweit angebotene Präventionsprojekt wird in Sachsen an zwei Standorten (Dresden und Leipzig) umgesetzt und durch das Sächsische Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt im Freistaat Sachsen koordiniert. Es wurde bereits im Jahr 2002 als kommunale Alkoholpräventionsstrategie konzipiert, um dem bundesweiten Trend des riskanten Rauschtrinkens bei Jugendlichen eine Präventionsmaßnahme entgegen zu stellen.

Das Projekt gliedert sich in zwei Projektteile: In HaLT-reaktiv erhalten Kinder und Jugendliche, die auf Grund einer Alkoholintoxikation oder einer Mischintoxikation in Verbindung mit Alkohol in einem Krankenhaus behandelt werden müssen, und deren Eltern Unterstützung in Form von Information, Beratung und bei Bedarf Vermittlung in weiterführende Hilfen. Auch andere Zugangswege in das Projekt, wie zum Beispiel über die Schule oder Angebote der Jugendhilfe, sind möglich. HaLT-proaktiv widmet sich dem Auf- und Ausbau sowie der Pflege von Netzwerken von Partnern im Bereich der universellen Prävention auf kommunaler Ebene. Durch eine konsequente Einhaltung des Jugendschutzes sowie einer Sensibilisierung der Öffentlichkeit einhergehend mit der Vergegenwärtigung der Vorbildwirkung von Erwachsenen soll riskantes Rauschtrinken bereits im Vorfeld verhindert werden.

Präventionsebenen und Zielgruppen

Verhältnis- und Verhaltensprävention können Maßnahmen zur universellen, selektiven und indizierten Prävention einschließen. Nach dem Spezifitätsmodell der Prävention werden unterschieden:

 

Maßnahmen zur universellen Prävention zielen auf die Gesamtbevölkerung oder auf Gruppen, zum Beispiel im schulischen, betrieblichen, medizinischen oder Freizeitbereich. Sie schließen sämtliche Mitglieder der jeweiligen Zielgruppe ein, unabhängig von bereits bestehenden Suchtrisiken. Maßnahmen der universellen Prävention dienen vorrangig der Stärkung der allgemeinen Lebenskompetenz. Wichtigste Zielgruppen der universellen Prävention sind Kinder, Jugendliche und Heranwachsende sowie deren Familien. Erwachsene Zielgruppen werden vor allem über Einrichtungen der Erwachsenenbildung und der betrieblichen Gesundheitsförderung erreicht sowie mittels Öffentlichkeitskampagnen angesprochen.

Selektive Prävention ist auf Personen oder Bevölkerungsgruppen mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Substanzkonsumstörung oder eines problematischen Konsums ausgerichtet. Sie zielt vorrangig auf eine Reduzierung  der Risiko- und eine Stärkung der Schutzfaktoren, zum Beispiel durch das Schaffen eines Bewusstseins und die Sensibilisierung für die spezifischen Risiken der Person oder Personengruppe. Zu den Zielgruppen zählen beispielsweise Kinder aus suchtbelasteten Familien, Jugendliche, in deren Freundeskreis eine erhöhte Affinität zum Substanzgebrauch besteht oder erwachsene Personen mit regelmäßigem oder riskantem Alkohol- oder Drogenkonsum.

Die indizierte Prävention richtet sich an Personen mit problematischem Substanzkonsum oder hohem Sucht- bzw. Abhängigkeitsrisiko, ohne dass aktuell die diagnostischen Kriterien für eine Substanzkonsumstörung erfüllt sind. Zu dieser Zielgruppe gehören zum Beispiel junge Menschen, die exzessiv Alkohol konsumieren (Rauschtrinken) und polizeilich erstauffällige Konsumierende. Das Ziel der indizierten Präventionsmaßnahmen besteht darin, für die individuellen problematischen Konsummuster und die daraus resultierenden Gefahren zu sensibilisieren und Risikokompetenz für einen angemessenen Umgang mit der Substanz zu vermitteln, um eine Abhängigkeit zu verhindern.

Die Maßnahmen der universellen, selektiven und indizierten Prävention setzen vor dem Krankheits-/Störungseintritt an und unterscheiden sich in erster Linie hinsichtlich ihrer Zielgruppenorientierung und Ansprachekonzepte. Die Zuordnung zu den Kategorien erfolgt nach dem Risikopotenzial der Zielgruppe. Die Interventionen sollten generell auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten werden und sowohl substanzspezifische als auch – unspezifische Angebote enthalten.

Weiterführende Informationen und Angebote zur Suchtprävention

Informationen für Eltern zu Sucht, Substanzen und Medien-/Internetnutzung

Informationen für Eltern zu Essstörungen

Publikationen / Berichte

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