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Aviäre Influenza (Geflügelpest)

14.12.2016 - Aktuelle Informationen der Sächsischen Tierseuchenkasse

Der Geflügelgesundheitsdienst der Sächsischen Tierseuchenkasse hat aktuelle Informationen zusammengestellt:

Geflügelpest – Maßnahmen zur Minimierung des Infektionsrisikos

Aufstallungspflicht – Verhaltensstörungen vermeiden und gegensteuern

18.11.2016 - Verordnung über besondere Schutzmaßregeln in kleinen Geflügelhaltungen

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat die Verordnung über besondere Schutzmaßregeln in kleinen Geflügelhaltungen bekanntgegeben, die am 21. November 2016 in Kraft getreten ist.

Den vollständigen Text finden Sie beim Bundesanzeiger unter »zum amtlichen Teil«. Hier geben Sie am besten das Datum 18.11.2016 in die Suche ein. Starten Sie hier.

14.11.2016 - Landesweite Aufstallung von Geflügel angeordnet

Basierend auf der Risikobewertung des FLI und der vorliegenden Befunde hat die Landesdirektion Sachsen in Abstimmung mit dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz für das gesamte Gebiet des Freistaates die sofortige Aufstallung des Geflügels landesweit angeordnet.

„Eine landesweite Stallpflicht in Sachsen ist angemessen. Wir wollen damit der Einschleppung oder Verschleppung der Geflügelpest in die heimischen Haus- und Nutzgeflügelbestände vorsorglich und konsequent entgegenwirken“, erklärt Gesundheitsministerin Barbara Klepsch.

Notwendig wurde die Maßnahme weil mit der Vorlage des Befundes des Friedrich-Loeffler-Institutes vom 12. November 2016 des Virus HPAI H5N8 bei einer im Landkreis Leipzig am Cospudener See aufgefundenen verendeten Reiherente nachgewiesen wurde.
Somit gilt der Ausbruch der Geflügelpest bei einem Wildvogel in Sachsen als amtlich festgestellt.

Das Virus der hochpathogenen aviären Influenza (HPAI) H5N8 wurde in Europa (Polen, Ungarn, Österreich und der Schweiz) und in Deutschland (Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern) bei mehreren Wildvögeln, nunmehr bereits auch in Hausgeflügelbeständen amtlich festgestellt.
Die nach den Vorgaben der Geflügelpest-Verordnung erforderliche Einrichtung eines Sperrbezirkes und eines Beobachtungsgebietes um den Fundort der positiv befundeten Reiherente wurde am 13. November abgeschlossen. Weiterhin erfolgten bereits am 13. November klinische und virologische Untersuchungen der Hausgeflügelbestände im Sperrbezirk.

Mit der aktuellen Risikoeinschätzung bewertet das FLI für die Bundesrepublik Deutschland das Risiko für die Einschleppung und Verbreitung von HPAI-Virus in Hausgeflügelbestände durch Wildvögel (insbesondere bei Geflügelhaltungen in Nähe von Wasservogelrast- und Sammelplätzen) als hoch.

14.11.2016 - Bekanntmachung der Landesdirektion Sachsen

An alle Halter von Geflügel und in Gefangenschaft gehaltene Vögel anderer Arten in Sachsen

Vollzug des Tiergesundheitsgesetzes (TierGesG) und der Verordnung zum Schutz gegen die Geflügelpest (Geflügelpest-Verordnung) i.d.F. vom 29.Juni 2016.
Tierseuchenrechtliche Allgemeinverfügung über die Anordnung der Aufstallung von gehaltenen Vögeln zum Schutz gegen die Geflügelpest im Freistaat Sachsen

Die Lan­des­di­rek­ti­on Sach­sen er­lässt fol­gen­de All­ge­mein­ver­fü­gung:

Allgemeinverfügung

11.11.2016 - Aktuelle Schutzmaßnahmen gegen die Geflügelpest

Im Hinblick auf den erstmaligen Nachweis des Geflügelpest-Erreger des Subtyps H5N8 in Deutschland bei mehreren verendeten Wildvögeln in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg im November 2016 und der aktuellen Risikoeinschätzung des Friedrich-Löffler-Institutes (FLI) zum Auftreten von HPAIV H5N8 in Deutschland bereitet das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz weitere Schutzmaßnahmen für die heimischen Haus- und Nutzgeflügelbestände vor. So wurden alle Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter sowie die Verbände über die aktuelle Risikolage informiert und eine Aufstallungs-Anordnung für Freilandgeflügel in sogenannten Risikogebieten ist bereits vorbereitet. Die Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter werden bis zum 15.11.2016 in eigener Verantwortung aufgrund von Risikobewertungen der Betriebe die Notwendigkeit von Aufstallungs-Anordnungen prüfen und ggf. aussprechen. Damit ist ein ausgewogenes Vorgehen auch unter Berücksichtigung der Aspekte des Tierschutzes möglich. 

Alle Geflügelhalter sind aufgefordert, die bisher auf Grundlage der Verordnung zum Schutz gegen die Geflügelpest geltenden Schutz- und Biosicherheitsmaßnahmen dringend und konsequent umzusetzen, um einen Eintrag in die Haus- und Nutzgeflügelbestände wirksam zu verhindern.

Für alle Geflügelhaltungen gilt:

  • Geflügel außerhalb von Ställen darf nur an nicht für Wildvögel zugänglichen Stellen gefüttert werden.
  • Geflügel darf nicht mit Oberflächenwasser getränkt werden, zu dem Wildvögel Zugang haben.
  • Generell ist für Wildvögel der Zugang zu Futter, Einstreu und sonstigen Gegenständen, mit denen Geflügel in Berührung kommen kann, zu unterbinden.

Um einen möglichen Eintrag des Virus schnell zu erkennen, beziehungsweise ausschließen zu können, gilt für alle Geflügelhaltungen, dass beim Auftreten von erhöhten Sterberaten innerhalb von 24 Stunden (ab drei Tiere, bei einer Bestandsgröße von bis zu 100 Tieren, oder mehr als 2 Prozent der Tiere, ab einer Bestandsgröße von 100 Tieren) und erheblichen Veränderungen der Legeleistung oder der Gewichtszunahme, ein Tierarzt hinzuzuziehen und das Vorliegen der Geflügelpest abzuklären ist. Bei Wassergeflügel gilt dies ab einer dreifach erhöhten Sterberate beziehungsweise einer Abnahme der Legeleistung beziehungsweise Tageszunahme um mehr als 5 Prozent.

Insbesondere für Geflügelhaltungen mit über 1000 Stück ist darüber hinaus zu beachten:

  • Die Ställe sind gegen unbefugten Zutritt oder unbefugtes Befahren zu sichern.
  • Der Zutritt betriebsfremder Personen ist auf das Notwendigste zu reduzieren.
  • Betriebsfremde Personen dürfen Bestände nur mit betriebseigener Schutzkleidung oder Einwegkleidung betreten.
  • Nach Verlassen des Stalles ist diese unverzüglich abzulegen, zu reinigen und zu desinfizieren oder unschädlich zu beseitigen, dies gilt insbesondere für Fängerkolonnen.
  • Nach jeder Ein- oder Ausstallung von Geflügel sind die eingesetzten Gerätschaften und der Verladeplatz sowie freigewordene Ställe zu reinigen und zu desinfizieren.
  • Betriebseigene Fahrzeuge sind unmittelbar nach dem Geflügeltransport zu reinigen und zu desinfizieren.
  • Fahrzeuge, Maschinen und sonstige Gerätschaften, die von mehreren Betrieben gemeinsam benutzt werden, sind jeweils vor der Abgabe zu reinigen und zu desinfizieren.
  • Eine Schadnagerbekämpfung ist regelmäßig durchzuführen.

Sollten vermehrt Wildvögel tot aufgefunden werden, bitten wir dies dem zuständigen Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt umgehend mitzuteilen.

Gemäß Risikoeinschätzung des FLI sind bisher keine Fälle von HPAIV H5N8 Infektionen beim Menschen bekannt. Verlässliche Aussagen zur Virulenz für den Menschen sind derzeit noch nicht möglich. Insofern ist vorsorglich darauf zu achten, den direkten Kontakt von Personen und Haustieren zu toten oder kranken Wildvögeln zu vermeiden.

Aktuell besteht im Freistaat Sachsen kein Gefährdungspotenzial für den Menschen. Geflügelfleisch und Geflügelerzeugnisse können unbedenklich verzehrt werden. Auf die Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln im Umgang mit und bei der Zubereitung von rohem Geflügelfleisch und Geflügelfleischprodukten sollte grundsätzlich geachtet werden.

Es wird an alle Tierhalter und Bürger appelliert durch umsichtiges Verhalten zum Schutz vor Eintrag der Geflügelpest beizutragen.

Aviäre Influenza (Geflügelpest)

Ende 2003 trat das für Geflügel hoch pathogenen Influenza A Virus (HPAIV) H5N1 Typ »Asia« zum ersten Mal in Südostasien (Vietnam, Südkorea, China, Thailand, Indonesien, Laos, Kambodscha, Japan, Malaysia) auf. Von da erfolgte seine Ausbreitung westwärts über Asien (unter anderem Russland, Iran, Irak, Türkei) bis nach Europa (unter anderem Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Griechenland, Italien, Kroatien, Slowenien, Österreich, Slowakei, Tschechische Republik, Schweiz, Frankreich, Polen, Dänemark, Schweden) und nach Afrika (unter anderem Nigeria, Sudan, Ägypten).

Im Februar 2006 wurde der Erreger erstmalig in Deutschland bei tot aufgefundenen Wildschwänen auf Rügen nachgewiesen. Weitere Nachweise bei Wildvögeln erfolgten insbesondere an der gesamten Ostseeküste, in Brandenburg, Bayern und Baden-Württemberg. In Einzelfällen konnte der Erreger bei Säugetieren (Hauskatze, Steinmarder) nachgewiesen werden.

Historie Nachweis des Erregers in Sachsen

Anfang April 2006 wurde im Muldentalkreis bei Puten im Zuge der Abklärung erhöhter Verluste erstmalig in Deutschland in einem Nutzgeflügelbestand der Erreger nachgewiesen. Von den 7.000 Puten waren 800 Tiere verendet und 1.400 erkrankt. Gänse und Hühner des Bestandes waren von der Krankheit nicht betroffen. Durch die schnelle Diagnostik und Einleitung von Sperr- und Bekämpfungsmaßnahmen konnte die Weiterverbreitung des Erregers in andere Bestände verhindert und somit großflächige Restriktionen in Sachsen und Deutschland vermieden werden. Aufgrund gesetzlicher Regelungen wurde im Umkreis von 3 Kilometer alles Geflügel einschließlich der Tauben getötet. Für dieses Gebiet sowie das umgebende 10 Kilometer große Beobachtungsgebiet galten zum Teil erhebliche Einschränkungen für Geflügel und deren Erzeugnisse, Geflügeltransporte sowie Haustiere. Als Einschleppungsursache wird der direkte oder indirekte Eintrag des Virus über Wildvögel vermutet, da der Erreger eine hohe Homologie zu dem in Deutschland bei Wildvögeln gefundenen aufweist. Alle in 2006 durchgeführten Monitoringuntersuchungen in Hausgeflügelbeständen ergaben keine Hinweise auf das Vorhandensein von HPAI H5N1.

Der einzige Nachweis in einem Wildvogel erfolgte Ende April 2006 bei einer tot aufgefundenen Reiherente im Landkreis Bautzen. Eine Einschleppung in Hausgeflügelbestände erfolgte nicht. Im Jahr 2006 wurden in Sachsen im Rahmen des Wildvogelmonitorings mehr als 1.000 Wildvögel untersucht. Weitere Informationen zu den Untersuchungen der LUA Sachsen sind in der Tabelle im nebenstehenden Link zusammengefasst.

Ein weiterer Nachweis von HPAI H5N1 erfolgte im Jahr 2006 in Sachsen bei einem im Zoo Dresden geborenen und aufgezogenen jungen Trauerschwan, der am 3. August 2006 tot aufgefunden worden war. Die umfangreichen Umgebungsuntersuchungen im Zoo einschließlich der Elterntiere des verendeten Schwans ergaben keinen weiteren positiven Nachweis, so dass von einem Einzelfallgeschehen ausgegangen werden muss. Auch hier erfolgte der Erregereintrag mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Wildvögel.

Am 10. Oktober 2008 wurde der zweite Ausbruch von HPAI H5N1 in einem sächsischen Nutzgeflügelbestand in Markersdorf im Landkreis Görlitz amtlich bestätigt. Am selben Tag erfolgte die Tötung des Gesamtbestandes an Geflügel im Seuchenbetrieb. Im festgelegten Sperrbezirk verliefen die Testungen in sämtlichen Geflügelhaltungen negativ. Durch die zügige Einleitung der Sperr- und Bekämpfungsmaßnahmen konnte ein Übergreifen auf andere Bestände verhindert werden. Als Ursache wird eine Einschleppung des Virus durch Wildvögel vermutet. Bereits am 13. November 2008 konnten alle angeordneten Maßnahmen aufgehoben werden.

Seit dem Jahr 2009 werden neben den nach Geflügelpestverordnung vorgesehenen Überwachungs- und Abklärungsuntersuchungen weitere Monitoringuntersuchungen bei Wild- und Hausgeflügel durchgeführt. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für aktuelle Risikobewertung.
Durch Einschleppung des Niedrigpathogen Geflügelgrippe Virus (LPAI) im Juni 2011 durch Handel mit Nordrhein-Westfalen wurden 9 amtliche Seuchenausbrüchen in der Landesdirektion Chemnitz festgestellt. Insgesamt mussten 2204 Stück Geflügel getötet werden. Durch konsequentes und schnelles Handeln der örtlichen Behörden konnte ein Übergreifen auf benachbarten Bestände verhindert werden. Bereits Mitte August konnten alle Sperrmaßnahmen aufgehoben werden.