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Suchtprävention

Bildmontage: Bildmontage: Eine Flasche Rotwein mit Glas, Tabletten, Tabak auf Zigarettenpapier.

Zum Schutz vor Abhängigkeit und Sucht - umfassende Aufklärung
(© Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz)

Suchtprävention bezieht sich auf Zielgruppen über die gesamte Lebensspanne und schließt sowohl den Gebrauch psychoaktiver Substanzen („Substanzgebundene Süchte“) als auch exzessives Verhalten („Verhaltenssüchte“, „Substanzungebundene Süchte“) ein. Zusammengefasst bezeichnet der Begriff Suchtprävention die Gesamtheit gezielter gesundheitspolitischer Maßnahmen zur Verhinderung bzw. Reduzierung

  • des schädlichen oder problematischen Konsums psychoaktiver Substanzen bzw. exzessiven Verhaltens,
  • der Entstehung von Substanzkonsumstörungen oder Verhaltenssüchten,
  • der damit verbundenen gesundheitlichen, psychischen und sozialen Begleitrisiken und Folgeschäden
  • für die Konsumierenden
  • sowie für Dritte und die Gesellschaft.

Suchtprävention beschränkt sich dabei nicht auf suchtspezifische Maßnahmen zur Verhinderung von Suchtstörungen und substanzinduzierten Gesundheitsbeeinträchtigungen. In einem integrativen Verständnis ist Suchtprävention eng bezogen auf das Gesamtangebot zur allgemeinen Gesundheitsförderung. Deren Ziel besteht in der Verbesserung der individuellen und allgemeinen Lebensbedingungen der Bevölkerung und der Gesundheit der Menschen in ihrem beruflichen und privaten Alltagsleben und ihren entsprechenden Lebenswelten. Dabei integriert  Gesundheitsförderung Maßnahmen zur individuellen und umweltbezogenen Prävention (zum Beispiel gesundes Wohnen oder Arbeiten) und bezieht übergreifende Strukturen und Settings als Gegenstand der präventiven Interventionen mit ein (Verhältnisprävention). Da lebenskompetente Menschen in einer gesundheitsförderlichen Lebenswelt weniger anfällig sind für psychische Krisen und Instabilität, besitzen sie auch eine größere Resilienz gegenüber Sucht- und Abhängigkeitsrisiken.

Verhaltens- und Verhältnisprävention sind zwei sich ergänzende Ansätze zur Umsetzung einer wirkungsvollen Prävention und Gesundheitsförderung:

Verhaltensprävention
Maßnahmen der Verhaltensprävention im Kontext Sucht zielen darauf ab, die suchtspezifischen personalen Risikofaktoren zu minimieren und die erforderlichen protektiven Lebenskompetenzen von Menschen zu stärken. Verhaltensprävention fokussiert die individuellen Bedingungen des Umganges mit psychoaktiven Substanzen oder exzessivem Verhalten, wobei der Verhaltensbegriff auch innere Einstellungen, Motivationen, Kompetenzen und Ressourcen einschließt. Dabei werden nicht nur die Betroffenen selbst angesprochen, sondern auch deren Bezugspersonen (zum Beispiel Eltern, Lehrkräfte sowie Mitarbeitende der Jugendhilfe) und für diese Multiplikatorenschulungen angeboten.

Verhältnisprävention
Demgegenüber bezieht sich die Verhältnisprävention auf die Umwelt- und Strukturbedingungen von Substanzkonsum und Suchtverhalten. verhältnispräventive Ansätze schließen ein breites Spektrum von politischen, rechtlichen und polizeilichen Maßnahmen ein. Dazu zählen insbesondere alle gesetzlichen Maßnahmen, die die Verfügbarkeit und den Konsum illegaler Suchtmittel sowie das Angebot legaler Suchtmittel und kommerzieller Glücksspiele reglementieren. Darüber hinaus gehören zur Verhältnisprävention auch die zur Verfügung stehenden Ressourcen. Verhältnis- und Verhaltensprävention können Maßnahmen zur universellen, selektiven und indizierten Prävention einschließen.

Präventionsebenen und Zielgruppen
Nach dem Spezifitätsmodell der Prävention werden unterschieden: (1) universelle Prävention, (2) selektive Prävention und (3) indizierte Prävention. Die Maßnahmen der universellen, selektiven und indizierten Prävention setzen vor dem Krankheits-/Störungseintritt an und unterscheiden sich in erster Linie hinsichtlich ihrer Zielgruppenorientierung und Ansprachekonzepte. Die Zuordnung zu den Kategorien erfolgt nach dem Risikopotenzial der Zielgruppe. Die Interventionen sollten generell auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten werden und sowohl substanzspezifische als auch – unspezifische Angebote enthalten.

(1) universelle Prävention 
Maßnahmen zur universellen Prävention zielen auf die Gesamtbevölkerung oder auf Gruppen, zum Beispiel im schulischen, betrieblichen, medizinischen oder Freizeitbereich. Sie schließen sämtliche Mitglieder der jeweiligen Zielpopulation ein, unabhängig von bereits bestehenden Suchtrisiken. Maßnahmen der universellen Prävention fokussieren vorrangig auf eine Stärkung der allgemeinen Lebenskompetenz. Wichtigste Zielgruppen der  universellen Prävention sind Kinder, Jugendliche und Heranwachsende sowie deren Familien und weitere Sozialisationsinstanzen. Darüber hinaus werden erwachsene Zielgruppen vor allem über Einrichtungen der Erwachsenenbildung und der betrieblichen Gesundheitsförderung erreicht sowie mittels Öffentlichkeitskampagnen angesprochen.

(2) selektive Prävention
Selektive Prävention ist auf Individuen oder Teilgruppen der Bevölkerung mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Substanzkonsumstörung oder eines Problemkonsums ausgerichtet und zielt vorrangig auf eine Reduktion der Risiko- und eine Stärkung der Schutzfaktoren ab. Zu den Zielgruppen zählen beispielsweise Kinder suchtkranker Eltern, Jugendliche in Cliquen mit erhöhter Affinität zum Substanzgebrauch oder erwachsene Personen mit regelmäßigem oder riskantem Alkohol- oder Drogenkonsum. Weitere Zielgruppen sind Substanzkonsumierende mit einer psychischen Störung sowie mit Migrationshintergrund, da diese jeweils besondere Belastungs- und Risikokonstellationen für die Entwicklung einer Suchterkrankung aufweisen können.

(3) indizierte Prävention
Die indizierte Prävention richtet sich an Personen mit problematischem Substanzkonsum oder hohem Sucht- bzw. Abhängigkeitsrisiko, ohne dass aktuell die diagnostischen Kriterien für eine Substanzkonsumstörung erfüllt sind. Zu dieser Zielgruppe gehören zum Beispiel junge Menschen, die exzessiv Alkohol konsumieren (Rauschtrinken) und polizeilich erstauffällige Konsumierende. Das Ziel der indizierten Präventionsmaßnahmen besteht darin, für die individuellen problematischen Konsummuster und die daraus resultierenden Gefahren zu sensibilisieren und Risikokompetenz für einen angemessenen Umgang mit der Substanz zu vermitteln mit dem Ziel der Verhinderung einer Abhängigkeit.
 

Informationen und Angebote bieten auch die Gesundheits- und/oder Jugendämter der Landkreise und kreisfreien Städte, teilweise in Zusammenarbeit mit freien Trägern. Neben einigen Angeboten zur Lebenskompetenzförderung stellen wir Ihnen einzelne Störungsspezifische Angebote der Suchtprävention vor.