Handlungsfeld Erziehergesundheit
Nur leistungsfähiges, gesundes und zufriedenes pädagogisches Fachpersonal kann eine gute Betreuungs-, Bildungs- und Erziehungsarbeit für Kinder, die eine Kindertageseinrichtung (Kita) besuchen, leisten. Maßnahmen zur Erhaltung beziehungsweise Förderung der Gesundheit von Erzieherinnen und Erziehern sind daher von besonderer Bedeutung und eine wichtige Voraussetzung zur Umsetzung des Sächsischen Bildungsplans. Sie sollten daher grundlegender Bestandteil des Qualitätssicherungsmanagements einer Kita sein.
Die allgemeine Fürsorgepflicht als Nebenpflicht aus dem Arbeitsverhältnis gebietet es dem Arbeitgeber nach § 241 Abs. 2 sowie §§ 617 bis 619 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), das Leben und die Gesundheit seiner Mitarbeiter nicht zu gefährden. Der Arbeits- und Gesundheitsschutz ist in Deutschland durch zahlreiche Gesetze, Verordnungen, Vorschriften und Regeln festgeschrieben. Dazu gehören neben dem Arbeitsschutz- und Arbeitssicherheitsgesetz auch das Infektionsschutzgesetz und die Biostoffverordnung, um nur einige relevante Rechtsvorschriften zu nennen. Auf der Grundlage dieser Rechtsnormen ist der Träger einer Kita verpflichtet, arbeitsbedingte Gefährdungen der Beschäftigten zu beurteilen und daraus angemessene Maßnahmen zu ihrer Vermeidung abzuleiten. Neben der Unfallverhütung und Arbeitssicherheit sind damit jedoch auch die medizinische und psychologische Gesundheitsvorsorge und –förderung angesprochen.
Seit den 90er Jahren haben deutschlandweit mehrere Studien zu Beschäftigten in Kita zahlreiche berufsbedingte Belastungsfaktoren und gesundheitliche Risiken aufgezeigt, die als charakteristisch für das Berufsbild von Kita-Beschäftigten sind. Eine gelingende Gesundheitsförderung für Kita-Personal muss neben deren Eindämmung jedoch auch auf die Förderung von gesundheitlichen Ressourcen abzielen. Als Erfolg versprechend hat sich die Kombination aus verhältnis- (bedingungsbezogenen) sowie verhaltenspräventiven (personenbezogenenen) Maßnahmen herausgestellt. Letztere betreffen beispielsweise die Förderung von fachlichen Kompetenzen, Kompetenzen im Umgang mit Eltern sowie die Motivation zu gesundheitsbewusstem Verhalten. Verhältnispräventive Maßnahmen umfassen die gesundheitsbezogene Veränderung von Arbeitsbedingungen, wie zum Beispiel die Gestaltung der Organisationsstruktur einer Einrichtung oder der Räumlichkeiten.
Das Gesundheitsziel »Gesund aufwachsen« hat sich neben den Krippen-, Kindergarten- und Hort- beziehungsweise Grundschulkindern auch die Zielgruppe des pädagogischen Personals in Kindertageseinrichtungen auf die Fahnen geschrieben. Zu diesem Zweck wurde für das Handlungsfeld »Erziehergesundheit« eine Arbeitsgruppe gebildet, in der die folgenden Akteure zusammenarbeiten:
- AWO Landesverband Sachsen
- Berufliches Schulzentrum für Gesundheit und Sozialwesen Dresden
- Berufsgenossenschaftliche Akademie für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz Dresden
- Concada GmbH
- Deutsche Gesellschaft für Baby- und Kindermassage e. V. (DGBM)
- Deutscher Kinderschutzbund e. V. (DKSB)
- Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen der Landeshauptstadt Dresden
- Fachstellen für Suchtprävention
- Regionale Gesundheitsämter
- Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Sachsen
- GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
- Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Sachsen
- Sächsisches Landesjugendamt
- Sächsische Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V. (SLfG)
- Sächsischer Volkshochschulverband
- Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS)
- Technische Universität Dresden
- Unfallkasse Sachsen
- Verbraucherzentrale Sachsen e. V.
- Verein Psychotherapeuteninitiative
Die Zusammenarbeit der Arbeitsgruppenmitglieder wird durch eine interne Koordinatorin am Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz und eine externe Koordinatorin an der Technischen Universität Dresden, Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus unterstützt. Haben Sie Fragen zur Arbeitsgruppe Erziehergesundheit, dann wenden Sie sich an unsere externe Koordinatorin: Frau Marleen Thinschmidt (mailto:Marleen.Thinschmidt@mailbox.tu-dresden.de
Mit ihren Aktivitäten möchte die Arbeitsgruppe Erziehergesundheit folgende Ziele erreichen:
- Sensibilisierung von Kita-Trägern für die Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sowie die Notwendigkeit von betrieblicher Gesundheitsförderung
- Erarbeitung eines Konzepts zur Erstellung einer regionalen Struktur sowie von Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung im Erzieherinnen-/Erzieherberuf
- Implementierung gesundheitsförderlicher Strukturen
- auf regionaler Ebene für in Kita-Einrichtungen arbeitende Erzieherinnen und Erzieher
- in der Ausbildung von pädagogischen Fachkräften
- Vernetzung von verschiedenen Akteuren im Setting Kita zur Realisierung von Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Gesundheitsförderung
Als Modellregion in Sachsen dient der ehemalige Landkreis Torgau-Oschatz. Zur Ermittlung der dortigen Ausgangssituation erfolgte im Sommer 2005 eine Mitarbeiterbefragung in Kindertageseinrichtungen im gesamten Landkreis. Die Ergebnisse dieser Befragung wurden im »Kurzbericht zum Vergleich der beruflichen und gesundheitlichen Situation von Kita-Personal im Landkreis Torgau-Oschatz und der Stadt Zwickau« festgehalten und dienten als Grundlage für die Erarbeitung eines Konzepts zur betrieblichen Gesundheitsförderung in Kita-Einrichtungen. Außerdem wurde ein Vorschlag für die Entwicklung einer regionalen Struktur erarbeitet. Mit der Umsetzung des Konzepts wurde im 1. Quartal 2007 begonnen, eine Evaluierung erfolgt derzeit und wird voraussichtlich im 1. Quartal 2009 abgeschlossen sein. Eine weitere Mitarbeiterbefragung wurde im Frühjahr/Sommer 2007 im ehemaligen Landkreis Torgau-Oschatz durchgeführt. Der Vergleich der beiden Befragungsergebnisse 2005 und 2007 wurde in einem zweiten Gesundheitsbericht im Jahr 2008 veröffentlicht. In diesem wurden weiterhin die Befragungsergebnisse von 2007 des Landkreises Torgau-Oschatz mit den Ergebnissen gleichzeitig befragter Kita-Beschäftigter der Stadt Zwickau verglichen.
Zurzeit befindet sich ein Handbuch zum Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Gesundheitsförderung von pädagogischem Fachpersonal in Kindertageseinrichtungen in Vorbereitung. Mit diesem Handbuch sollen den Trägern von Kindertageseinrichtungen und den Kita-Leitungen in komprimierter Form wichtige Informationen zur Rechtslage, zu Maßnahmen und Umsetzungsmöglichkeiten sowie Ansprechpartner zur Verfügung gestellt werden. Das Handbuch soll Ende 2009 allen Einrichtungsträgern zur Verfügung gestellt werden.

