1. Navigation
  2. Inhalt
  3. Herausgeber
Inhalt

Luft in Innenräumen

Innenraumluft

Die Luftqualität in Innenräumen ist für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Raumnutzer von entscheidender Bedeutung, da die meisten Menschen in unseren Breiten sich durchschnittlich ca. 80-90 % in Innenräumen aufhalten. Der überwiegende Teil davon entfällt auf die heimischen »vier Wände«, die – anders als Innenraumarbeitsplätze – keinen Überwachungsvorschriften oder verbindlichen lufthygienischen Regelungen unterliegen. Deshalb ist es sehr wichtig, alle auffälligen Entwicklungen und Erscheinungen auch in diesem Aufenthaltsbereich des Menschen aufmerksam zu beobachten und gegebenenfalls rechtzeitig auf sich anbahnende Probleme aufmerksam zu machen. Der öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) zählt zu den Institutionen, die auf diesem Gebiet eine Sentinel-(Wächter) Funktion ausüben. Das gilt insbesondere für die umweltmedizinischen Zusammenhänge und für mögliche Hygienedefizite. Eine weitere Aufgabe des ÖGD auf diesem Gebiet ist die Beratungstätigkeit, da in den Gesundheitsbehörden optimalerweise unterschiedliche Fachrichtungen (Ärzte, Ingenieure, Hygienefachkräfte, Naturwissenschaftler) aus den Bereichen Umwelt und Gesundheit unter einem Dach zusammenarbeiten.

»Der Öffentliche Gesundheitsdienst beobachtet und bewertet die gesundheitlichen Verhältnisse von Menschen, ... einschließlich der Auswirkungen von Umwelteinflüssen auf die Gesundheit«.
»Die Beratung der Bevölkerung zu Fragen des gesundheitlichen Umweltschutzes« ist eine wesentliche Aufgabe des Öffentlichen Gesundheitsdienstes.
Gesetz über den Öffentlichen Gesundheitsdienst im Freistaat Sachsen vom 11.12.1991

Das Spektrum von Innenraumluftverunreinigungen ist durch die Vielgestaltigkeit der Nutzung (z. B. als Hobbyraum, Erholungsbereich, Schlafraum, Küche, Sanitärbereich, Versammlungs- oder Unterrichtsräume) und die Anwendung immer wieder neuer Materialien und Produkte (darunter Baumaterialien, Kosmetika, Interieur, Kleber, Anstrichstoffe) sehr breit gefächert und ständig im Wandel.

Unter den an den ÖGD herangetragenen Problemen, Fragen und Beratungsanliegen rangieren die folgenden genannten 5 Kategorien jeweils an vorderster Stelle:

  • anhaltende Geruchsbelästigungen und Befindlichkeitsstörungen im Zusammenhang mit Neubautätigkeiten sowie nach komplexen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten bzw. Neuausstattungen;
  • Hygienemängel und gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Feuchte- und Schimmelpilzprobleme an Wandoberflächen sowie im Fußboden- und Deckenbereich;
  • Hygieneprobleme in Schulen, Kindertagesstätten und anderen gemeinschaftlich genutzten Gebäuden infolge zu geringer Luftwechselraten, die nur unzureichend an die Anforderungen des Alltagsbetriebs angepasst sind;
  • Innenraumprobleme infolge von Havarien, nach Bränden oder anderen außergewöhnlichen Schadensereignissen mit einer möglichen Gesundheitsgefährdung (z. B. Heizölkontaminationen nach Hochwassereinbrüchen, Schadstofftransfer aus Altlasten bzw. Altablagerungen)
  • Belästigungen durch permanente Raumdesodorierung, insbesondere bei Personen mit einer erhöhten olfaktorischen Sensibilität (z. B. Personen mit einer Duftstoffallergie oder Personen mit Chemikalienüberempfindlichkeit).

Aus der Sicht der Gesundheitsvorsorge besitzen die Schimmelpilz- und Feuchteprobleme eine herausragende Bedeutung. Denn einerseits ist eine große Zahl der deutschen Wohnungen von derartigen Mängeln betroffen (> 20 %), andererseits ist der Zusammenhang zwischen Schimmelpilzbefall in Innenräumen und bestimmten Gesundheitsbeeinträchtigungen (z.B. Atemwegsreizungen, Husten, Asthma) unstrittig. Außerdem gelten viele Schimmelpilzarten als potenzielle Allergieauslöser, und die zunehmende Zahl von allergischen Erkrankungen und Schimmelpilzsensibilisierungen (Sensibilisierung ist die Vorstufe einer Allergieerkrankung) in der Bevölkerung legt einen umweltmedizinischen Zusammenhang mit Innenraumexpositionen nahe.

Die Gesundheitsbehörden bieten zu dieser Thematik umweltmedizinische Beratung an und informieren zudem ratsuchende Bürger über die nutzerbedingten Möglichkeiten der Vorbeugung von Schimmelpilzbefall in ihren Wohnungen.

Ein weiteres aktuelles Innenraumthema betrifft die Luftqualität in Schulen, ein Ort, wo eigentlich besonders gute Luftverhältnisse herrschen sollten. Doch gleich in mehreren Untersuchungen zur Kohlendioxidkonzentration in Unterrichtsräumen (darunter auch Messungen in Sachsen) haben sich erhebliche lufthygienische Probleme gezeigt, weil die Fenster nicht häufig - und nicht lange genug geöffnet wurden. Insbesondere in der kalten Jahreszeit wurden die maximal empfehlenswerten Kohlendioxidkonzentrationen in der Raumluft sehr häufig überschritten. Mehrfach lag der Anteil der überschrittenen Werte bei über 90 %. Kohlendioxid ist ein sehr guter Indikator für »verbrauchte Luft«, erreicht aber in solchen Räumen niemals selbst ein gesundheitsschädigendes Niveau.

In Klassenzimmern, wo altbewährte Lüftungsregeln nur ungenügend berücksichtigt werden, kann es bereits in den ersten Unterrichtsstunden zu Unbehaglichkeit wegen „verbrauchter Luft“ sowie zu leistungseinschränkenden Konzentrations- und Befindlichkeitsstörungen kommen. Zu den bewährten Lüftungsregeln in Schulen gehören zwingend mindestens die regelmäßige Pausenlüftung und die Lüftung zwischen den Doppelstunden, wenn keine Lüftungsanlage die notwendige Durchspülung des Raumes mit Frischluft übernimmt.

Insgesamt beinhaltet das Thema Innenraumluft noch viel mehr Facetten als die angeführten Beispiele und die Zahl der Schnittstellen zur Umweltmedizin, zum gesundheitsbezogenen Verbraucherschutz und zur persönlichen Hygiene ist fast unüberschaubar. Ob ein vorhandenes Problem mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist, lässt sich allerdings nicht pauschal beantworten, sondern muss fallbezogen beurteilt werden.
Die Einrichtungen des ÖGD bieten hierfür ihre Unterstützung in Form einer fachkundigen Beratung, ggf. verbunden mit einer Hygieneinspektion und zielgerichteten Untersuchungen, an.